Freitag, 9. Januar 2009

Rio de Janeiro



Eine Woche durften Flavio und ich bei Virginia und ihrem Sohn Cesar an der Copacabana wohnen.
Als wir letzten Samstag in Rio ankamen, meinte Virginia am Telefon, sie muesse arbeiten gehen, wuerde uns aber den Wohnungsschluessel beim Portier hinterlegen.

Sie hatte ueber Sophie schon von mir gehoert, ein Mail gelesen und mich einmal am Telefon gehabt, von Flavio wusste sie eigentlich gar nichts, und trotzdem liess sie uns einfach so bei ihr einziehen. Es war dann auch ein seltsames Gefuehl, als Cesar nach Hause kam und wir ihn empfingen, als waere es unsere Wohnung. :-)
Cesar begruesste uns mit einem breiten Grinsen und seiner kumpelhaften Art und wir fanden schnell heraus, dass er 3 Jahre in England verbracht hatte, was den Aufenthalt vor allem fuer Flavio erleichterte.
Neben Virginia und Cesar wohnt in der engen 4-Zimmer-Wohnung noch Sarah, eine Mitstudentin Virginias. Auch sie aeusserst herzlich und liebenswuerdig.


So machten diese wunderbaren Menschen das schlechte Wetter, das Flavio und mich irgendwie zu verfolgen schien, wieder wett. Bis am Dienstag regnete es in Stroemen, an Stadtbesichtigung war nicht zu denken. Mit nassen Fuessen brachten wir die wichtigsten Erledigungen hinter uns, sassen in Cafes und fuehlten uns an der Copacabana zuhause. Vor allem das WC hatte es uns angetan. Flavio und ich hatten auf der Ilha Grande irgendetwas Falsches zu uns genommen, sodass uns die Diarroeh in den ersten drei Tagen fest im Griff hatte.



Dann aber, nachdem wir schon über den Wetterbericht geklagt hatten, der für die ganze Woche Regen angekündigt hatte, strahlte uns am Mittwochmorgen ein Wolkenfreier Himmel entgegen. Sofort machten wir uns auf zum Corcovado (Buckel), seit 1931 der Sitz des Cristo Redentor. Natürlich waren wir nicht die einzigen, die diesen einmaligen Tag nutzten und so war die Sicht auf den Norden der Stadt schon wieder von grauen Wolken verdeckt, als wir oben ankamen. Die Christusstatue thront 730 m ueber der Stadt und ist meistens von Wolken umgeben, die die einmalige Aussicht trüben. So erinnerte mich der Corcovado denn auch eher an den Pilatus- hinauf aber fuhren wir mit einem alten Rigi-Bähnli! Oben angekommen, erhielten wir ein erstes Mal einen Überblick dieser nicht nur geographisch faszinierenden Stadt.



Blick auf den Zuckerhut (pao de açucar)


Pao de Açucar und anschliessend die Copacabana


Ipanema und dahinter liegend die vom Meer gespiesene "Lagoa"


Blick auf das "Centro"





Wieder mit dem Rigi-Bähnli in die Stadt zurück gekehrt, beschlossen wir, den Tag zu nutzen und das vollständige Touristenprogramm zu absolvieren. Also nichts wie los auf den Zuckerhut! Der Pao de Açucar liegt direkt am Meer, als würde er den Eingang zur Stadt bewachen.
Vom Pao de Açucar aus ist Rio wirklich die schönste Stadt der Welt! Vor einem ausgebreitet ein Meer von Häusern, aus dem steile Felseninseln ragen, und im Rücken das wirkliche Meer, glatt wie eine Spiegelfläche. Wasser- und Häusermeer nur getrennt durch im Sonnenlicht golden strahlenden Strände.

Links unten der Morro da Urca, die Zwischenstation der Seilbahn, mit der man auf den Zuckerhut gelangt; über dem Cristo ballen sich die Wolken


Die Skyline des Stadtzentrums (Centro)


Den nationalen Flughafen direkt ins Meer hinaus gebaut- das kann sich auch nur Rio leisten!


Die Copacabana


Der Huegelzug, der die Copa begrenzt


Das war auch fuer uns eine Bilderflut und so genossen wir den letzten Tag im botanischen Garten und in Ipanema mit shoppen.
Am Freitag flog Flavio dann nach Sao Paulo und von da aus zurück in die Schweiz. Bevor wir aber in Richtung Flughafen aufbrachen, sprangen wir noch kurz in den Atlantik. Weder die Copacabana noch Ipanema sind aber besonders schön zum Baden. Die fast 2m hohen Wellen brechen ca. 10m vom Strand entfernt, sodass man eigentlich nur ins Wasser geht, um sich abzukühlen. Ausserdem ist vor allem Ipanema überzogen von Bierständen und dicht an dicht gereihten Liegestühlen.

Ich machte mich heute Morgen früh auf die Weiterreise und nahm den Bus nach Sao Joao del Rei. Ich fuhr 5 Stunden durch Minas Gerais, den Bundestaat, den ich dank Geraldo schon kenne. Die grünen Hügel und die rote Erde waren mir sogleich wieder vertraut. Da der Bus aber vor Sao Joao in Tiradentes hielt, wo ich soweiso noch hin wollte und wo meine äusserst nette, aufgestellt Sitznachbarin ausstieg, verliess ich den Bus spontan und entdeckte dieses winzige, dem Goldrausch des 19.Jahrhunderts entstammenden Touristendörfchen. Davon aber das nächste Mal mehr.

Ich gewöhne mich nun also wieder an das Unterwegssein, ohne Zueriduetsch zu reden, gemuetlich zusammen einen Kaffe zu trinken, ueber andere Touristen zu tratschen und spannende Dinge gemeinsam zu entdecken- kurz: Ich bin wieder alleine unterwegs.
Und ich geniesse es.

Noch drei Wochen!

Alles Liebe

d



Für Roxy :-)

4 Kommentare:

Roxana hat gesagt…

lang lebe ROXY ;)!!! ich bin schon einfach überall präsent/present/presänt oder wie man das schreibt :)...jetzt also wieder ganz alleine unterwegs...dann musst du wieder doppelt gut auf dich aufpassen, gell??!? rio sieht spannend aus, ziemlich riesig, aber mit diesem ganzen berg-meer-lagunen-strand-häuser-gewurschtel irgendwie besonders...

ich habe heute den tag mit räumen/sortieren/wegpacken/umnähen/putzen und sonstigen abreisevorbereitungen zugebracht...wir verpassen uns genau um eine woche, dabei hätt ich dich jetzt langsam schon gern auch mal wieder live gesehen...wirklich schade!!

was diesen wiederholungskurs oder was das ist betrifft-- ich hab nur plötzlich so einen leichten panikanflug bekommen, da man den ersten teil eigentlich innerhalb von 6 monaten ab dem prüfungszeitpunkt machen sollte...aber der ist ja bei mir eh auch schon vorbei und da das alles ziemlich teuer ist (ca. 800.- für die zwei tage!!!) und ich grad ziemlich bankrott, wird das unternehmen auch bei mir auf später vertagt ;) jetzt geht's erstmal noch mal kurz nach l'aubier und dann in die offenbar ebenfalls eisig-klirrend-kalte provence ;)...für mich ist wohl kein entkommen vor diesem winter...!

ich denk oft an dich, versuch mir vorzustellen, wo du wohl grad bist, was du machst--aber natürlich keine chance ;)! *drück fest* und gnagl

r

Flavio hat gesagt…

ja, 3 wuchä sind so schnäll verbi gangä, aber es isch mega schön gsi mit dir! isch scho toll so d'wält z'entdeckä! wo gömmer nöchscht jahr herä? :-)
tja morn fangt bi mir wieder de normal arbetsalltag a... ihr chönd eu ja all vorstelä wi mich das froit!?
jänu, gnüss es no ganz fescht und ich froi mi uf witeri gschichtä vo dir, ich chas mir ja jetzt sehr guet vorstelä ;-)
pass uf dich uf!
kuss und gnagl

boggemörli hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
boggemörli hat gesagt…

wauwwwww - was für eine stadt!! das will ich auch mal erwandern, da geht's ja rauf und runter mit tollsten aus- und fernsichten - könnte ja mal was werden, wenn wir mit der pyrenäen-durchwanderung fertig sind ...!
ich war am wochenende in zuoz bei barbara manz, sie meint, du kannst dich bei sylvia matter 0055 713 677 13 42 melden, wohnt in imbassai 70km nördlich von salvador am meer, wunderschön, hat haus mit gästezimmer, spricht deutsch - sag gruss von barbara - von da aus wäre salvador ja dann ganz nah ...
es scheint dir ja wieder zu gefallen, auch so allein auf entdeckung zugehen - viel spass und spannende begegnungen!!
herzliche umarmung von deinem papa christoph