Was ich noch nicht wusste, als ich diese Plaene schmiedete: Ich hatte das eine Ende des "Caminho de Ouro", des "Goldweges", bereits kennengelernt. Parati, das ich mit Flavio besucht hatte (auf der Karte links unten), war naemlich waehrend der Kolonialzeit eines der Haupttore des brasilianischen Mineralienschatzes zur Welt. Das noerdliche Ende des Caminho de Ouro liegt in Diamantina, das heute von einem Natuschutzgebiet umgeben ist.
Die naechste Station auf meiner Suche nach Gold sollte eigentlich Sao Joao del Rei sein, doch im Bus sass ich neben einer aeusserst gespraechigen, aufgeweckten Frau, die mit ihrere Freundin in Tiradentes ausstieg. Da dieses Dorf sowieso mein uebernachstes Ziel zein sollte, sprang ich spontan ebenfalls aus dem Bus. Schnell hatten mich die zwei Frauen unter ihre Fittiche genommen und suchten eine Pousada, in der ich ebenfalls uebernachten konnte.
Yara und Emilia besitzen ein Haus in der Serra irgendwo in Rio de Janeiro und kamen nach Tiradentes, um Ideen fuer eine Pousada zu sammeln, die sie dort eroeffnen moechten. So waren die zwei den ganzen Tag mit anschauen, rechnen, kaufen und Transport organisieren beschaeftigt, waehrend ich mich beim durchstreifen der kopfsteingepflasterten Gaesschen an Parati erinnert fuehlte.
Genauso wie Parati ist Tiradentes fuer Touristen nur so herausgeputzt worden. Pferdekutschen verstopfen die Strassen und Kinder in weissen Hemden mit Hosentraegern, Muetze und Reisekoefferchen lassen sich von Besuchern vor den Kirchen fotografieren. Zum Glueck wohnen hier aber im Gegensatz zur Altstadt von Parati, die wirklich nur dem Tourismus dient, noch einige Leute. Ausserdem liegt Tiradentes wunderschoen zwischen zwei Huegeln eingebetet, waehrend im Hintergrund die Felsen der Serra in den Himmel ragen!
Am Sonntagmorgen fuhren wir dann mit der "Maria Fumaza", einer Dampflok, die als Touristenatraktion zwischen Tiradentes und Sao Joao del Rei verkehrt, in die Nachbarsstadt.
Sao Joao wirkte auf mich aber derart verlassen und verschlafen, dass ich schnurstracks zum Rodoviario lief um den naechsten Bus nach Ouro Preto zu nehmen. Dieser fuhr aber erst um 6 Uhr, sodass ich mich doch noch auf eine Erkundungstour durch die Straesschen von Sao Joao machte.
Ploetzlich hoerte ich Schritte hinter mir und ein aufgewecktes "Hey, do you speak English?". Also kramte ich in meinem an und fuer sich sprachbegabten Studentenhirn und brachte mit Mueh und Not eine Antwort zustande. Oje! Wie traurig, so schnell so viel vergessen zu haben! Mein Kopf ist im Moment wirklich so auf Portugiesisch gepolt, dass ich wohl kaum mehr einen Satz auf Franzoesisch haette sagen koennen.
Auf jeden Fall machte ich Bekanntschaft mit Laura, einer in Kanada lebenden Kolumbianerin, die seit einem Monat in Brasilien und nun alleine unterwegs ist. Es haette nicht besser passen koennen: kurze schwarze Haare, 20 jahre alt, klein aber Oho! Wunderbar!
In den naechsten 4 Stunden erzaehlte sie mir einige Anekdoten ueber Sao Joao und von ihrer Reise. Nach kurzem Gestaggel in Englisch wechselte ich ziemlich schnell wieder auf Portugiesisch, vor allem weil ich festgestellt hatte, das Laura auch kein gutes Englisch sprach. Ihre Muttersprache ist Spanisch, Englisch hat sie in der Schule gelernt, aber normalerweise lebt sie im franzoesischsprachigen Teil Montreals! Da erscheint es nur logisch, dass sie Sprachen studieren moechte. Wieso ihre Wahl aber genau auf Deutsch gefallen ist, bleibt mir ein Raetsel.
Das Chaos wurde schliesslich komplett, als wir auf eine Gruppe junger Studenten aus Angola und Moçambique trafen, die hier, im brasilianischen Nimenadsland, ein halbes Jahr Menschen, Leben und Kultur kennen lernen!
Und als waere der Tag nicht schon erlebnisreich genug gewesen, trafen wir zwei Maedels in der Jugendherberge Ouro Pretos auch noch auf zwei Jungs namens Andre (Brasilien) und Joerg (Deutschland). Also schlatete mein Hirn ein letztes Mal um und ich schwatzte bis tief in die Nacht hinein angenehm unkompliziertes Deutsch!
Joerg und Laura
Zusammen mit Andre, Laura und Joerg besichtigte ich am naechsten Tag die "Mineiro das Passagens", eine ehemalige Goldmine. Natuerlich wurde dort mehr gefunden als nur Gold. Minas Gerais war und ist unglaublich reich an Mineralien! Der Staat selber hat aber keinen Meeranschluss, weshalb das ganze Gebiet mit Eisenbahnschienen durchzogen ist. Diese Eisenbahnlinien sind heute, wie bereits erzaehlt, Touristenatraktionen, oder dienen, z.B. zwischen Belo Horizonte und Vitoria, wirklich noch als Transportmittel.
Die Fahrt in den Stollen und der Spaziergang in den Hoehlen war eindruecklich. Das der Reichtum die Menschen dazu veranlassen konnte, wie Wuermer und Maulwuerfe in der Erde zu graben und zu bohren? In dieser Dunkelheit zu wandeln und sich dabei die Schreie, Explosionen, das Hacken und Schaufeln, das stetige Troepfeln des Wassers und die staubige Luft vorzustellen, war schrecklich, gruselig und spannend zugleich.
Ouro Preto selber hatte da am naechsten Tag wieder viel mehr Licht zu bieten. Das Gold strahlt und glaenzt in all den 23 Kirchen von den Waenden und nur Salvador besitzt eine Kirche, in der mehr Edelmetall verarbeitet wurde. Natuerlich durfte man in den Kirchen selber nicht fotografieren, aber auch von aussen sind die Kolonialbauten schoen anzuschauen.
Obwohl schon hinderte von Jahren alt, ist Ouro Preto nichts fuer aeltere Menschen. Die Strassen sind so uneben und steil, dass z.T. nicht einmal mehr die Autos hinauf fahren!
Nach Ouro Preto hatte ich dann aber langsam genug vom Barockzeitalter und freute mich auf Belo Horizonte. Die drittgroesste Stadt Brasiliens hat ist aber nichts fuer einen kurzen Touristenaufenthalt und erinnerte mich an Sao Paulo: riesig, flach, endlos und grau.
Interessant waren wiederum die Bauten Niemeyers, von der ich hier aber nur die Kirche von Pampulha zeige.
Bevor Kubitschek 1960 Praesident Brasiliens wurde, amtete er in BH, wie es die Bewohner nennen, als Buergermeister. Er beauftragte den Architekturstudenten Niemeyer, ein ganzes Stadtviertel zu gestalten, und Niemeyer machte sich mit dem Vorsatz ans Werk, Pampulha als das Schoenste Quartier Brasiliens zu gestalten. Verglichen mit den anderen Stadtteilen ist Pampulha auch wirklich geordneter und der kuenstliche See schafft Freiraum und Ruhe! Aber das schoenste Quartier Brasiliens?
Ich wohne hier bei Jose und Elaine, der Nichte Geraldos, und ihrer Tochter Marjore. Und wieder lerne ich ein anderes Brasilien kennen; das einer wohlbegueterten Familie, die alle materiellen Privilegien geniesst, die das Leben hier zu bieten hat.
Ich selber bin aber doch zu gruen, um den ganzen Tag mit dem Auto in der Stadt rum zu fahren und ich bin auch zu rot, um den Machochismus der Brasilianer und die Nicht-Emanzipation vieler brasilianischer Frauen einfach so hinzunehmen.
Diese Tatsachen wuerden mich aber dazu verleiten, diesen sowieso schon langen Eintrag zu verdreifachen. Wer will, darf gerne spaeter einmal mit mir darueber diskutieren.
Auf jeden Fall fahre ich am Montag noch zu Geraldos Familie nach Joao Monlevade und setze mich dann am Abend in den Bus nach Salvador- 21 Stunden dauert die Fahrt!
Wieso gibt es hier keine SBB?
Alles Liebe
d
PS: Mit diesen Fotos aus dem Condominio, wo Elaine, Marjore und Jose ein Haus bauen, schicke ich euch den brasilianischen Urwaldsommer in die guten schweizer Winterstuben.
Einfach, damit ihr nicht vergesst, wo ich bin! :-)
3 Kommentare:
es isch scho gemein, sunntig, en neuä blogitrag mit schöne bilder, natürlich het mar das gern sälber gseh, aber de mäntig hockt eim fiis im nackä und erinneret eim a unschöni sache wi schaffe...
ich mags dr ja vo herzä gönä, gnüsses aber äu no chli für mich, gäll!?
kuss an die frisch gebackene gotte ;-)
in Ouro Preto gsehts ja super gmüetlich us. so es richtig mediterans ambiente zum friedlich lebe =)
aber die grossstädt, gar nöd amächälig. wenn ich mir das so aluge, denn wirkt das extrem künschtlich und verchrampft die grosse städt und das chline Ouro Preto so frisch und natürlich. ghits das eigentlich öfter is brasilie, dass ein architekt ganzi viertel baut?
freu mich uft witere schöni bilder :D (nöd vo städt :) )
Hi Dolores,
habe eben mal wieder in Deinen Blog geschaut und tatsächlich das Ouro-Preto-Update gesehen. Toll, dass Du auch einen Blog hast, meiner ist aber schöner, bäääh!! ;-)
Ich bin recht müde aber fit in Brasília angekommen, hab dann wieder mal zwei Tage Hardcore-Sightseeing gemacht (dieses Mal sogar nur 2 Kirchen...hehe). Die Stadt ist ein Betonblock, aber irgendwie anders, als z.B. Sao Paulo. Es gab auch noch ein Chaos bei meinem Hostel und als ich dann wieder weg war, war ich auch irgendwie froh. Man kann mal 2-3 Tage in Brasília verbringen (insbesondere wenn man Niemeyer gut findet), aber definitiv nicht mehr. Bin jetzt wieder zuhause in Sao Carlos. Ich hoffe Du hast viel Spaß in Salvador, genieß die Zeit. Danke für Deinen netten Brief, die Schweiz ist als Ausflugsziel fest vorgemerkt :-) Also bis demnächst, hier oder woanders.
Jörg
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